Der Ex-Profi spielt am Samstag mit Ronaldinho, van der Vaart und Kuranyi gegen die Eintracht-Allstars, am Sonntag steht er beim SV 07 Raunheim an der Seitenlinie.

RAUNHEIM – Ex-Profi Youssef Mokhtari (39) hat sich im Sommer dem Fußball-A-Ligisten SV 07 Raunheim angeschlossen. Dort spielt der frühere marokkanische Nationalspieler an der Seite seines Bruders Oualid, der ebenfalls Profi war und heute Vorsitzender des SV 07 ist. Am Samstag gewann der in Raunheim aufgewachsene Youssef Mokhtari mit dem Team „Ronaldinho and friends“ in der Commerzbank-Arena gegen ein Allstarteam der Frankfurter Eintracht mit 5:4. Im Interview spricht er über dieses Benefizspiel, seine Pläne in Raunheim und die Erfahrungen eines Ex-Profis in der neunten Liga.
 
Herr Mokhtari, wie war es, an der Seite von Ronaldinho, Ailton, Rafael van der Vaart und Kevin Kuranyi vor 20 000 Zuschauern noch einmal einen großen Auftritt zu haben?
Es war toll, alte Weggefährten wiederzutreffen wie Ailton, mit dem ich in Duisburg gespielt habe, und alte Gegner wie van der Vaart oder Kuranyi. Ronaldinho ist oft in meiner Heimat Marokko. Ihm ein Tor aufzulegen und eines selbst zu schießen, war natürlich schön.
 
Wie kamen Sie in die Auswahl?
Ronaldinhos Agentur hat mich angerufen, weil ich in der Nähe von Frankfurt wohne und auch ein bisschen was in meiner Karriere vorzuweisen habe, auch wenn es hätte mehr sein können.
 
Am Sonntag, beim Spiel des SV 07 Raunheim gegen Gustavsburg, hat man Sie dann auf dem Platz vermisst. Muskelkater?
Nein, ich habe an der Seitenlinie mit meinem Bruder Oualid gecoacht. Ich habe vor der Saison gesagt, ich unterstütze ihn und den Verein, weil wir einen sehr dünnen Kader haben. Bisher habe ich acht Spiele gemacht. Aber es bringt nichts, wenn ich jedes Mal spiele, und am Ende höre ich auf, und der Verein hat nichts davon. Die Jungen müssen auf dem Feld stehen und sich weiterentwickeln. Mein Bruder und ich wollen den Talenten in Raunheim eine Plattform geben, damit sie bei uns bleiben. Da macht es keinen Sinn, wenn Oualid und ich regelmäßig spielen.
 
Es geht Ihnen also nicht in erster Linie um den sportlichen Erfolg?
Genau. Mein Bruder hatte im Sommer plötzlich keine Mannschaft mehr, weil der Trainer und mit ihm viele Spieler gegangen waren. Da habe ich gesagt: Ich komme und helfe Dir. Als das bekannt wurde, hatten wir 20 Mann im Training und mussten einige sogar in die zweite Mannschaft schicken. Der Klassenerhalt war das Ziel. Jetzt stehen wir als Dritter besser da, aber die Entwicklung der jungen Mannschaft hat Priorität. Ob wir am Ende Dritter werden oder Zehnter, werden wir sehen.
 
Sie sind im Sommer wieder nach Raunheim zurückgekehrt, wo bei der SSV ihre Fußballkarriere begonnen hatte. Mit welchen Motiven und Zielen?
Ich will dem Verein meine Ideen vorstellen, wie man mit Dingen, die kein Geld kosten, zum Beispiel in der Organisation, wieder wachsen kann. Wir haben einige Talente in der Jugend und wollen darauf aufbauen, außerdem ein gutes Klima schaffen, damit die Leute gerne nach Raunheim kommen. Wenn wir den Kunstrasenplatz haben, verfügen wir über eine Top-Anlage, das zieht dann noch mehr. Und mit dem Namen Mokhtari wollen mein Bruder und ich auch den einen oder anderen Sponsor an Land ziehen.
 
Was hat sich im Raunheimer Fußball verändert, seit Sie weggegangen sind?
Die Werte, die es vor 20, 30 Jahren gegeben hat, gibt es nicht mehr. Wenn man heute die Kinder sieht, ihre Interessen und Einstellungen, dann ist das ein Riesenunterschied. Früher gab es nur Schule und Fußball. Mittlerweile ist der Medienkonsum total hoch. Und alle denken, sie könnten schon Fußball spielen und hätten die Weisheit mit Löffeln gegessen. Das ist schade. Wir versuchen, den Straßenfußball in Raunheim wieder zum Leben zu erwecken. Das ist ja auch das, was dem deutschen Fußball fehlt.
 
Wie fühlt es sich an, in der neunten Liga Fußball zu spielen?
Wenn man oben gespielt hat und kommt dann in die A-Klasse, dann ist alles komplett anders. Für jede Mannschaft ist es eine besondere Motivation, gegen die Mokhtaris zu spielen. Zwei Exprofis, von denen der eine National- und Bundesligaspieler war. Die gehen an ihre Leistungsgrenzen, und wir werden gedoppelt oder sogar getrippelt. Und die treten immer, was das Zeug hält. Aber ich jammere nicht, das ist normal.
 
Wie ist es, mit 39 Jahren noch die Knochen hinzuhalten?
Man merkt natürlich den Verschleiß, das ist wie bei einem Auto. Der Körper macht nicht mehr so mit, wie er sollte. Ich könnte noch Regionalliga spielen, auch wenn ich nächstes Jahr 40 werde, aber irgendwann ist es auch gut, dann will man sich nicht mehr quälen.
 
Sie waren gerade mit Ihrer Fußballschule und dem ehemaligen Rüsselsheimer Fußballprofi Abdelaziz Ahanfouf bei einem Fußballcamp für 130 sozial benachteiligte Kinder in Marokko. Was bedeutet Ihnen diese Arbeit?
Sehr viel. Es war schön, den Kindern ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Wenn sich alle Menschen sozial engagieren würden, würde es weniger Hunger und weniger Leid geben auf dieser Welt.
 
Sie sind dabei, Ihren Elite-Trainerschein zu machen. Wie sind Ihre beruflichen Pläne?
Ich möchte dem Fußball verbunden bleiben und bin schon der Typ, der als Trainer arbeiten kann. Es muss aber passen. Je niedrigklassiger du arbeitest, desto schwieriger ist es, die Vorstellungen umzusetzen. Auf das Trainerkarussell der Top-Ligen zu kommen, ist schwer, das geht nur über Kontakte und Politik. Mit ehrlicher Arbeit alleine hast du keine Chance. Kantige Typen mit eigener Meinung, wie es Matthäus und Effenberg sind und auch ich, sind nicht gefragt. Das aber ist der Tod des deutschen Fußballs. Wenn du nur Ja-Sager hast, wirst du nicht weit kommen – vielleicht kurzfristig, aber langfristig hast du keinen Erfolg.
 
Das Interview führte Heiko Weissinger.
Quelle: Mainspitze